Kleiner Ausszug aus NOMADS LEGACY 5 – Inferno

Nach einem ausführlichen Rundgang und einer kurzen Einweisung in die grundlegenden Funktionsweisen der Akkonia, durch Koron Zathuree, wurden Nea und Taya in ihre Unterkunft gebracht, die ihrem Quartier auf der Lagon sehr ähnlich war. Auch dort überwog der Luxus und unterstrich die Stellung, die man für Nea als angemessen betrachtete.
„Was hältst du von der ganzen Sache?“, fragte Nea ihre Zofe.
„Wie meint ihr das?“, wunderte sich das Mädchen.
„Ich will wissen, was dahinter steckt. Hinter meiner Ernennung zum Captain. Hinter diesem Geschenk.“
Taya schien nicht zu verstehen. „In den vergangenen Einsätzen habt Ihr Mut und Einfallsreichtum bewiesen, und wie Koron Zathuree gesagt hat, spricht man viel über Euch. Hier und in den anderen Systemen. Ich weiß, dass man unserer Ankunft in den übrigen Welten mit Spannung entgegensieht.“
„Das geht alles sehr schnell“, gab Nea zu bedenken. „Und irgendwann muss ich mich diesem Gerede stellen. Mir graut davor.“ Nea zog ihre Uniform aus, setzte sich auf eines der weichen Sofas und ließ ihre Finger über den samtigen Bezug gleiten. „Ich weiß, dass fähigere Offiziere länger warten mussten, bis sie ein eigenes Kommando erhielten. Jedenfalls war das in Asgaroon so.“
„Aber wir sind in Kimath“, meinte Taya beinahe entschuldigend. „Und …“
Nea sah ihre Zofe fragend an. „Und?“
„Verzeiht Herrin“, bat Taya unterwürfig. „Es steht mir nicht zu den Dingen vorauszugreifen.“
Auf einem niedrigen Beistelltisch am Kopfende der Couch lagen allerlei Bücher, die sie durchblätterte, dann jedoch achtlos wieder weglegte. Sie starrte gedankenverloren an die Decke. „Nicht vorauseilen, ja, ja. Allmählich finde ich mich in meine Rolle als Drachenkind ein.“
„Kann ich Euch zu Diensten sein?“, fragte Taya, die verlegen reagierte und auf den Boden sah.
„Lass mir ein Bad ein“, befahl Nea. „Dann mach mir einen Tee. Aber vorher will ich dich noch etwas fragen.“
Taya machte große Augen und wirkte verunsichert.
„Sag mir, Kleines“, Nea setzte sich auf und musterte ihre junge Zofe, „wie würde es dir gefallen, wenn man dir ein Paar Flügel auf den Rücken klebt, dich an den Rand einer Klippe schiebt und dir befiehlt zu fliegen?“
„Fürchtet Ihr Euch?“, wollte Taya wissen. „Verzeiht! Ich …“
„Schon gut“, winkte Nea ab. „Du hast die Sache durchschaut, auch wenn ich es nicht Angst nennen möchte.“
Nea war sich selbst nicht klar darüber, was sie fühlte. Sie war keinesfalls unsicher was ihre Fähigkeiten betraf. Ganz in Gegenteil. In den letzten Tagen und Wochen hatte sie an Selbstsicherheit gewonnen und Talente an sich entdeckt, von denen sie bislang nichts gewusst hatte. Je tiefer sie in die Welten Kimaths vordrang, umso mehr wuchsen ihr Mut, ihre Verwegenheit, ihr Können und so etwas wie Stolz keimte in ihr auf. Aber über die imaginäre Klippe, von der sie gesprochen hatte, wollte sie sich nicht schieben lassen.
„Ihr wurdet reich beschenkt“, ergänzte Neas Zofe. „Warum Bedenken haben.“
„Ein guter Freund von mir hat für diese Situation zwei Sprüche parat“, entgegnete Nea. „Wehe den Beschenkten“, flüsterte Nea bedeutungsschwer. „Denn den Geschenken folgen Pflichten. Und fürchte die Griechen, wenn sie Gaben bringen.“
„Ich halte die Bewohner Zaron nicht für verschlagen und hinterhältig“, wagte Taya zu entgegnen.
„Von denen spreche ich nicht“, meinte Nea ein wenig ungehalten. „Vadoorian, Reihmann, Graf Faday, was weiß ich. Ich habe … ich denke …“
Taya sah ihre Herrin ratlos an.
„Ich klinge nicht nach Drakonea Feuerkind, nicht wahr?“, meinte Nea missmutig. „Wer immer solche Namen trägt, muss unerschütterlich sein. Selbstsicher, rücksichtslos, ehrgeizig. Gigantisch.“
„Einsam ist das Kind des Drachen“, antwortete Taya vielsagend und es klang, als zitiere sie ein Gedicht. „Verborgen hinter Flammen. Es naht sich nur, wer töten will.“

Andreas

Allan J. Stark geb. 25. 01. 1968

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