Captain Peter Woodward

Ein weiterer Protagonist aus dem Nomads Kosmos.Peter Woodward. Ein Captain in der Heimatflotte.Woodwards Schiff nannte sich Midas. Eine stattliche Fregatte, gut doppelt so groß wie die Zora. Ihr zylindrischer Rumpf strotzte von Geschützluken und Kanonenrohren. Zwei große Hangartore ließen den Blick, auf ein beachtliches Kontingent an Kampfmaschinen zu. Sie kam längsseits und nachdem eine Fähre der Zora Perk an Bord gebracht hatte, saßen sich die beiden Kapitäne in Woodwards Quartier gegenüber, getrennt durch einen Schreibtisch, über dem einige Hologramme schwebten. Statistiken, Tabellen und Ähnliches. Hinter dem Captain dehnte sich die rote Oberfläche des Mars, die im hellen Sonnenlicht strahlte.Peter Woodward war ein kleiner, etwas fülliger Mann, mit schwermütiger Miene und blassem Gesicht. Dünne schwarze Haare, ließen die glänzende Kopfhaut sehen. Woodwards Stimme war leise und jedes seiner Worte wählte er mit Bedacht. Perk kannte ihn von früheren Einsätzen. Ein fähiger Captain, mit vielen Auszeichnungen, der nie viel redete, aber umso gewichtigere Taten vorweisen konnte. Lange vor dem Auftauchen der Akkato und Keymon, kämpften Perk und Woodward gegen Rebellen, Piraten oder die Streitkräfte der asiatischen Union.„Eigentlich habe ich nicht vor, meinen Posten hier zu verlassen“, sagte Woodward wie beiläufig und legte dabei die Hände auf die Obsidianplatte seines Schreibtisches. Seine dunklen Augen waren schmale Schlitze. „Außerdem wird das Hauptquartier Fragen stellen, wenn ich das tue. Ich bin keineswegs unabhängig. Meine Kompetenzen sind begrenzt.“Das war natürlich eine Untertreibung. Perk wusste, wie viel Einfluss Woodward hatte. Er genoss größere Freiheiten, als die meisten anderen Captains. Seiner Meinung wurde enormer Wert beigemessen. Womöglich hielt er deswegen den Ball flach, um zu vermeiden, dass man mit Bitten und Gesuchen an ihn herantrat, wie Perk das gerade tat.„Du kannst ein, zwei Kanonenboote hierlassen“, wendete Captain Perk ein. „Das dürfte doch genügen. Um den Posten hier zu halten.“Woodward sah seinen Gesprächspartner eine Weile an und sagte nichts.„Ja, das könnte ich machen“, antwortete er schließlich. „Weiß das Hauptquartier von deiner Mission?“„Nein“, antwortete Perk. „Rosefield traut niemandem. Oder nur wenigen.“Woodward starrte den Captain an. Sein Blick forderte weitere Auskunft.„Rosefield hat sich etwas ausgedacht“, beeilte sich Perk, zu sagen, „dass unsere Exkursion plausibel macht.“„Dürfte ich den fingierten Grund erfahren? Nur damit wir uns abstimmen können, sollte man mich in Zukunft dazu befragen oder wenn ich meinen Bericht schreiben muss.“„Die Zora soll treibende Schiffe ausfindig machen und Notsignalen nachgehen.“Woodwards Gesicht blieb noch immer ausdruckslos. Er wäre ein idealer Partner in einer Pokerrunde, dachte Perk. Doch dazu war der Captain der Midas zu ungesellig, wie Perk aus eigener Erfahrung wusste. Mit seiner hölzernen, zuweilen abweisenden Art, zählte er nicht gerade zu den gern gesehenen Gästen der Offizierskasinos.„Eine umfangreiche Aufgabe“, meinte Woodward schließlich. „Ein guter Vorwand, um eine lange Mission zu rechtfertigen.“„Wir haben immerhin schon viel herausgefunden und werden uns bald so nahe an die Fledds herangetastet haben, um Namen nennen und Beweise vorlegen zu können.“ Perk war sich bewusst, wie sehr er gerade übertrieb.„Klingt interessant.“ Woodward war nicht anzusehen, ob er Perk bereits durchschaute.Noch immer lagen die Hände des Captains auf der Tischplatte und noch immer fiel es Perk schwer, zu ergründen, was den Mann eigentlich bewegte. Peter Woodward galt als kühler Analytiker und daher sollte die Art des Mannes Perk nicht überraschen.„Wem werden die Ergebnisse vorgelegt“, fragte Woodward, „wenn wir die Verräter überführt und das Gesindel dingfest gemacht haben?“Darüber hatte sich Perk noch keine Gedanken gemacht. Er vertraute Rosslin, den er ebenfalls seit Jahren kannte und der bestimmt wusste, was er mit den gewonnenen Informationen anfangen würde. In erster Linie fühlte sich Perk gegenüber Rosefield verpflichtet, und er ging davon aus, dass alles seinen richtigen Weg gehen würde. Aber vielleicht wäre es besser gewesen, sich mit diesem Punkt eingehender zu befassen, als er den Admiral, in dessen Büro auf der Erde besucht hatte.„Will er die Gerichte damit beliefern und Anklage gegen die Flottenleitung erheben?“, fragte Woodward, als Perk mit einer Antwort zögerte. „Ich habe viele Freunde unter den Admirälen. Ich will nicht dumm dastehen, wenn sich herausstellt, dass ich in Operationen verwickelt bin, die zum Ziel haben, einigen von ihnen in den Rücken zu fallen. Wenn ich das tue, dann nur, wenn die Beweise und die Art, wie sie ihren Weg in ein Rechtsverfahren finden, legal sind.“Perk gefiel Woodwards Wortwahl nicht. Oder vielmehr sein Standpunkt, der dadurch zum Ausdruck kam. Wenn es Verbrecher in der Flottenführung gab, waren sie es, die der Menschheit in den Rücken gefallen waren. Ihre Entlarvung rechtfertigte alle Mittel, egal wie schmerzhaft dieser Schritt auch sein konnte. Sie würden Freunde verlieren, so viel war klar.„Du bist schon viel zu tief verstrickt in die Sache“, gab Perk zurück. „Wenn irgendetwas schief geht, stecken wir alle mit drin.“Woodward schwenkte seinen Sessel hin und her, wobei er die Stirn in Falten legte.„Rosefield ist sozusagen ein Kulminationspunkt“. Es klang beinahe wie ein Vorwurf. „Was immer er mit den Fakten anfängt, wird bestimmend sein für uns und die Flotte.“„Das weißt du doch.“„Ja, das weiß ich.“ Endlich nahm er die blassen Hände vom Tisch. „Ich will nur sichergehen, dass wir uns nicht blamieren. Wenn ich meinen Posten verlasse, wird das nicht geheim bleiben und könnte die Fledds alarmieren. Auf Baxter muss sich etwas Entscheidendes tun, oder man wird mir gehörig Probleme machen. Unabhängig davon, wie hoch mein Kredit bei der Admiralität ist. Sollte sich die Operation nicht als durchschlagender Erfolg herausstellen, kann das peinlich werden. Man wird alle Beteiligten für Narren halten, die auf Verschwörungstheorien hereingefallen sind. Ich kann und muss mit vielen Vorwürfen leben, aber Inkompetenz will ich mir nicht unterstellen lassen.“Wer will das schon, dachte Perk. „Dieses Risiko müssen wir wohl eingehen. Der Feind agiert im Verborgenen. Als Soldaten sind wir es gewohnt, uns offen in der Schlacht zu stellen. Ich gebe zu. Ein Scheitern wird uns alle zurückwerfen und die Position der Fledds stärken, doch ich sehe im Moment keine Alternative zu unserem Vorgehen. Sie werden stärker und wir reiben uns auf. Das muss aufhören.“Woodward wirkte noch immer wie eine Statue. „Ja, das ist wohl so. Ich fürchte mich nur davor, etwas zu überstürzen und in eine unüberlegte Sache hineinzugeraten.“„Das gilt es natürlich zu vermeiden“, stimmte Perk zu. „Es dürfte genügen, wenn wir uns eine halbe Lichtminute von Baxter entfernt in Wartestellung begeben. Meine Leute geben mir Bescheid, sollten Schiffe der Flotte auftauchen und ihre Ladung löschen. Dann schlagen wir zu und erwischen das Gesindel bei der Arbeit.“Woodward schien noch immer die Chancen abzuwägen. „Ich will hoffen, es funktioniert alles so, wie wir uns das vorstellen.“https://amzn.to/3BOWbUM

Andreas

Allan J. Stark geb. 25. 01. 1968

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